Lineare Abbildungen

Lineare Abbildungen

#Definition : Lineare Abbildung

Seien V,W zwei K-Vektorräume. Eine Abbildung f:V→W heißt linear, wenn für alle v,w∈V und λ∈K gilt

  1. Additivität: f(v+w)=f(v)+f(w),
  2. Homogenität: f(λv)=λf(v).
    Die Menge aller linearen Abbildungen von v nach W wird mit L(V,W) oder Hom(V,W) bezeichnet.

Lineare Abbildungen erhalten die Struktur eines Vektorraums (Addition und Skalarmultiplikation). Eine andere Bezeichnung für eine lineare Abbildung ist Homomorphismus

Eigenschaften linearer Abbildungen

Sei A∈Km,n. Dann ist f:Kn→Km,x↦Ax, linear, denn nach den Rechenregeln für Matrizen gilt für alle x,y∈Kn und λ∈K:

Additivität: f(x+y)=A(x+y)=Ax+Ay=f(x)+f(y),
Homogenität: f(λx)=A(λx)=λAx=λf(x)

Dies zeigt, dass wir jede Matrix als lineare Abbildung ansehen können. Insbesondere gilt alles, was wir für lineare Abbdilungen lernen, auch für Matrizen

Ist f:Kn→Km linear, dann gibt es eine Matrix A∈Km,n mit f(x)=Ax für alle x∈Kn. Dabei enthält A=[a1,…,an] die Bilder der Vektoren

e1=[10⋮0],…,[0⋮01]

d.h. a1=f(e1),…,an=f(en)

Seien V,W zwei K-Vektorräume. Für f,g∈L(V,W) und λ∈K definieren wir

f+g:V→W,v↦(f+g)(v):=f(v)+g(v),λf:V→W,v↦(λf)(v):=λf(v).

Dann sind f+g und λf wieder linear und L(V,W) ist selbst wieder ein K-Vektorraum.

Ist V=W, so enthält L(V,V) insbesondere die Identität idV.

Seien V,W,X K-Vektorräume.

  1. Ist f:V→W linear, so gilt f(0)=0.
  2. Sind f:V→W und g:W→X linear, so ist auch die Komposition g∘f:V→X linear.
  3. Ist f:V→W linear und bijektiv, so ist auch die Umkehrabbildung f−1:W→V linear.

Rechenregeln für lineare Abbildungen

Für lineare Abbildungen f,g,h und λ∈K gilt (falls die Verknüpfungen definiert sind)

  1. f∘(g∘h)=(f∘g)∘h,
  2. f∘(g+h)=(f∘g)+(f∘h),
  3. (f+g)∘h=(f∘h)+(g∘h),
  4. λ(f∘g)=(λf)∘g=f∘(λg),
  5. id∘f=f=f∘id.

Kern und Bild

#Definition : Kern und Urbild

  1. Der Kern von F ist das Urbild von 0: $$\text{Kern}(f)={ v \in V | f(v) = 0 } = f^{-1} ({ 0 })$$.
  2. Das Bild von f ist die Menge $$ \text{Bild}(f) = f(V) = { f(v)|v \in V }.$$
    !AnaI LinA Ing Skript, p.118

Sei f:V→W linear

  1. Kern(f) ist ein Teilraum von V
  2. Bild(f) ist ein Teilraum von Wf
#Definition Basis des Kerns einer Matrix A∈Km,n

Erinnerung: Kern(A)={x∈Kn∣Ax=0}=L(A,0)
Gegeben: A∈Km,n
Gesucht: Basis von Kern(A)

  1. Schritt: Bringe die Matrix A in normierte Zeilenstufenform.
  2. Schritt: Sei Rang(A)=r. Dann gibt es n−r frei wählbare Variablen. Berechne die Lösung von Ax=0 und setze die 1. frei wählbare Variable gleich 1, alle anderen frei wählbaren Variablen werden 0 gesetzt. Dies liefert den 1. Basisvektor.
  3. Schritt: Wiederhole den 2. Schritt für die anderen frei wählbaren Variablen.

Das ergibt eine Basis von Kern(A) mit n−r Basisvektoren.
Insbesondere ist

dim(Kern(A))=n−r=n−Rang(A).
#Definition: Basis des Bildes einer Matrix A∈Km,n

Die Spalten von A werden mit a1,…,an∈Km bezeichnet, d.h. es ist A=[a1…an]. Für x∈Kn ist $$ Ax = [a_1 \dots a_n] \begin{bmatrix} x_1 \ \vdots \ x_n \end{bmatrix} = x_1 a_1 + \dots + x_n a_n = \sum_{j=1}^n x_j a_j, $$
also die Linearkombination von den Spalten von A mit den Koeffizienten x1,…,xn. Daher ist $$ \text{Bild}(A) = {Ax \mid x \in \mathbb{K}^n} = \text{span}{a_1, \dots, a_n}. $$

Gesucht: Basis von Bild(A)
4. Schritt: Bringe die Matrix A in Zeilenstufenform.
5. Schritt: Die Spaltenvektoren von A, die zu einem Pivotelement in einer Zeilenstufenform von A gehören, bilden eine Basis des Bildes.

Insbesondere ist dim(Bild(A))=Rang(A).

Dimensionsformel

#Definition: Dimensionsformel für lineare Abbildungen

Sei f:V→W linear und V endlichdimensional. Dann gilt

dim⁡(V)=dim⁡(Kern(f))+dim⁡(Bild(f))

Interpretation

V ist aufgeteilt in den Kern von f (diese Vektoren werden auf 0∈W abgebildet) und den Rest, der auf Bild(f) abgebildet wird.
!AnaI LinA Ing Skript, p.120
Die Skizze veranschaulicht die Dimensionsformel $$ \dim(V) = \dim(\text{Kern}(f)) + \dim(\text{Bild}(f))$$

Folgerungen aus der Dimensionsformel

Sei f:V→W linear. Dann gilt:

  1. f ist injektiv ⇔Kern(f)={0}⇔dim(Kern(f))=0.
  2. f ist surjektiv ⇔Bild(f)=W⇔dim(Bild(f))=dim(W). Dabei gilt die letzte Äquivalenz nur falls dim(W)<∞.
  3. Wenn dim(V)=dim(W)<∞, so gilt: f ist bijektiv ⇔f ist injektiv ⇔f ist surjektiv.