Definitionen_Glossary

Glossary

  • 3-Färbbarkeit: Ein Graph G ist 3-färbbar, wenn es eine Funktion c:V(G){C1,C2,C3} gibt, so dass c(u)c(v) für alle Kanten {u,v}E(G).
  • 3-COL Problem: Das Entscheidungsproblem, ob ein gegebener Graph G 3-färbbar ist. Dieses Problem ist NP-vollständig.

Dies sind grundlegende Entscheidungsprobleme, die sich auf logische Formeln beziehen:


ΣAL:=AVar{,,¬,,,,,(,)}


Ein Argument hat zwei Ebenen:

  1. Inhaltlich: die tatsächliche inhaltliche Korrektheit.
  2. Abstrakt: die strukturelle, formale Korrektheit, unabhängig von der tatsächlichen inhaltlichen Korrektheit.

Fixierung einer abzählbaren unendlichen Menge AVar von Aussagenvariablen, die Vi für alle i0 enthält.


Eine Formel φAL ist in disjunktiver Normalform (DNF), wenn sie eine Disjunktion von Konjunktionen von Literalen ist.
Gestalt: $$\bigvee_{i=1}^{n} \left( \bigwedge_{j=1}^{n_i} L_{i,j} \right)$$
Li,j: Literal


Lemma (Distributivität). Für alle ϕ,ψ,ϑAL gilt

ψ(ϕϑ)(ψϕ)(ψϑ).
Beweis. Sei eine passende Belegung.

  • Fall 1 [[ψ(ϕϑ)]]β=0.

    • Es gilt also [[ψ]]β=0 und [>[(ϕϑ)]]β=0.
    • Daraus folgt, dass [[ϕ]]β=0 oder [[ϑ]]β=0.
    • O.B.d.A. sei [[ϕ]]β=0.
    • Dann gilt aber [[ψϕ]]β=0 und somit [[(ψϕ)(ψϑ)]]β=0.
  • Fall 2 [[ψ(ϕϑ)]]β=1.

    • Es gilt also [[ψ]]β=1 oder [[(ϕϑ)]]β=1.
    • Falls [[ψ]]β=1 so folgt [[ψϕ]]β=1 und [[ψϑ]]β=1
    • und somit [[(ψϕ)(ψϑ)]]β=1.
    • Anderenfalls gilt [[ϕ]]β=[[ϑ]]β=1.
    • Dann aber gilt [[ψϕ]]β=[[ψϑ]]β=1 und somit [[(ψϕ)(ψϑ)]]β=1.


  • Formeln: Wörter in einer formalen Sprache, die syntaktisch genau definiert sind. Damit kann man Aussagen präzise formulieren.
  • Semantikfunktion: Die Semantik legt fest, ob eine Formel für ein bestimmtes Element der Umgebung gilt.
  • Die Umgebung (engl. domain): Der Kontext oder die "Welt", in der die Formeln interpretiert werden.

Zu einer gegebenen Formel kann man verschiedene Belegungen betrachten, die auch zu unterschiedlichen Wahrheitswerten für diese Formel führen können. Jede Formel kann eine der drei Eigenschaften haben:

  • Erfüllbarkeit: Es existiert eine passende Belegung, die die Formel erfüllt (wahr macht).
  • Unerfüllbarkeit: Es existiert keine passende Belegung, die die Formel erfüllt.
  • Allgemeingültigkeit (Tautologie): Jede passende Belegung erfüllt die Formel.

Eine Formel φ ist erfüllbar, wenn es mindestens eine Belegung β gibt mit βφ.
Sie ist unerfüllbar, wenn keine solche Belegung existiert.

Äquivalente Sicht

Beispiele


Dieses Lemma ist noch mächtiger. Es erlaubt, Teile einer Formel durch äquivalente Teile zu ersetzen.

Sei ϕAL eine Formel und ψ eine Unterformel von ϕ.
Sei ϕ die Formel, die man aus ϕ erhält, indem man ein Vorkommen der Unterformel ψ durch eine äquivalente Formel ψψ ersetzt.

Dann gilt:

ϕϕ

Beispielanwendung:
Wir können die Implikation umschreiben:

ϕψ(ϕψ)(ψϕ)(¬ϕψ)(¬ψϕ)

  • Es können beliebige Aussagenlogiken definiert werden.
  • Exklusives Oder intuitiv: (φψ) bedeutet "entweder φ oder ψ".
[[φ]]β [[ψ]]β [[φψ]]β
0 0 0
0 1 1
1 0 1
1 1 0

  1. Eine Formel ψ folgt aus einer Formel ϕ, geschrieben ϕψ, wenn für jede zu ϕ und ψ passende Belegung β gilt:
    Wenn βϕ, dann auch βψ.

  2. Sei ΦAL eine Formelmenge und ψAL eine Formel.
    ψ folgt aus Φ, wenn jede zu Φ{ψ} passende Belegung β, die Φ erfüllt, auch ψ erfüllt. Wir schreiben Φψ.

Beispiele.

  1. {(XY)}(XY)?
  2. {X,Y}(XY)?
  3. {X}(XY)?

Erinnerung. Die folgende Notation ist oft nützlich:

i=1nϕi als Abkürzung für (ϕ1ϕ2ϕn)i=1nϕi als Abkürzung für (ϕ1ϕ2ϕn)

Beispiel. i=1999XiY
„Wenn alle 999 Xi wahr sind, so muss auch Y wahr sein.“

Rechtfertigung. Wegen der Assoziativitätsregeln

ψ(ϕϑ)(ψϕ)ϑψ(ϕϑ)(ψϕ)ϑ

ändert die Klammerung den Wahrheitswert nicht.


  • Basis
    • , sind aussagenlogische Formeln.
    • Jede Variable XAVar ist eine aussagenlogische Formel.
    • , und die Variablen werden atomare Formeln oder Atome genannt.
  • Induktionsschritt (Regeln)- Wenn φAL eine Formel ist, dann ist auch ¬φAL.
    • Wenn φ,ψAL Formeln sind, dann sind auch (φψ),(φψ),(φψ),(φψ) Formeln.
    • ¬,,,, werden aussagenlogische Verknüpfungen genannt.

Wir definieren eine Basismenge S0U und Regeln
Ri:UkiP(U) für 0in,
wobei n,k0,,knN.

U: Universum (Alle denkbaren Objekte)
S0U: Basismenge
Regeln: Ri:UkP(U) für 0in mit nN
Eine Regel könnte sein: R(a,b)={f(a,b)}

Dadurch wird eine eindeutige Menge M definiert als kleinste
(bezüglich ) Teilmenge von U, die alle Elemente aus S0 enthält und falls
m0,,mkiM gilt, auch jedes Element aus
Ri(m0,,mki) enthält für 0in.


Eine Klausel ist eine endliche Menge von Literalen. Sie repräsentiert die Disjunktion (ODER-Verknüpfung) dieser Literale. Die leere Klausel (oder {}) ist die leere Menge und repräsentiert einen Widerspruch (ist immer falsch).


Eine Klauselmenge ist eine Menge von Klauseln. Sie repräsentiert die Konjunktion (UND-Verknüpfung) dieser Klauseln und ist damit eine alternative Schreibweise für eine Formel in KNF.

{C1,C2,...,Cn}C1C2Cn

  • Sei φAL eine Formel und seien β,β Belegungenx, sodass β(X)=β(X) für alle Xvar(φ).
  • Dann gilt [[φ]]β=[[φ]]β.

Eine Formel φAL ist in konjunktiver Normalform (KNF), wenn sie eine Konjunktion von Disjunktionen von Literalen ist.
Gestalt: $$\bigwedge_{i=1}^{n} \left( \bigvee_{j=1}^{n_i} L_{i,j} \right)$$
Li,j: Literal


Die Korrektheit besagt, dass der Kalkül keine falschen Schlüsse zieht. Wenn aus einer Klauselmenge C die leere Klausel abgeleitet werden kann (CR), dann ist die Klauselmenge C auch tatsächlich unerfüllbar.

Lemma (Korrektheit)

Wenn CRD, dann CD.
Insbesondere: Wenn CR, dann ist C unerfüllbar.

Beweisskizze

  • Induktion über die Länge der Resolutionsableitung.
  • Basis: Startklauseln sind in C, also triviale Konsequenzen.
  • Schritt: Neue Klausel entsteht per Resolution aus zwei früheren, ist wegen lokaler Korrektheit eine semantische Konsequenz dieser; mit Induktionsannahme damit auch Konsequenz von C.


Ein Literal L ist eine Aussagenvariable XAVar oder deren Negation ¬X . $$\bar{L} := \begin{cases} \neg X & \text{if } L = X \ X & \text{if } L = \neg X. \end{cases}$$


Eine (zu einer Formel passende) Belegung β heißt Modell einer aussagenlogischen Formel φ, wenn [[φφ]]β=1 gilt.
Notation: βφ.

Beispiel

  • Sei φ:=(X¬Y)Z.
    Die Belegung β(X)=0,β(Y)=0,β(Z)=1 ist ein Modell von φ, da
    X¬Y=01=1 und 1Z=11=1.

Lemma (de Morgansche Regel). Für alle ϕ,ψAL gilt:

¬(ψϕ)¬ψ¬ϕ.
Beweis. Sei β eine passende Belegung.

Dann gilt

[[¬(ψϕ)]]β=1 gdw. [[ψϕ]]β=0gdw. mindestens eins von [[ψ]]β,[[ϕ]]β gleich 0gdw. mindestens eins von [[¬ψ]]β,[[¬ϕ]]β gleich 1.gdw. [[¬ψ¬ϕ]]β=1.

Eine Formel φAL ist in Negationsnormalform (NNF), wenn die Symbole und nicht vorkommen und die Negation ¬ nur direkt vor atomaren Formeln (Aussagenvariablen) auftritt.


  • Unnötige Klammern können vermieden werden. Hier sind die Regeln:
    • Äußerste Klammern können weggelassen werden.
    • ¬ bindet stärker als die anderen Verknüpfungen.
    • , binden stärker als ,.
  • Wenn Φ={φ1,,φn}AL eine endliche Menge von Formeln ist, schreiben wir:
    • Φ als Abkürzung für (φ1φn), die Disjunktion über alle Formeln aus Φ.
    • Φ als Abkürzung für (φ1φn), die Konjunktion über alle Formeln aus Φ.
    • Alternative Schreibweise: i=1nφi,1inφi,usw.

Eine Resolutionsableitung einer Klausel C aus einer Klauselmenge Φ ist eine endliche Folge von Klauseln (C1,,Cn), sodass Cn=C und jede Klausel Ci in der Folge entweder ein Element von Φ ist oder eine Resolvente von zwei früheren Klauseln in der Folge ist (Ci=Res(Cj,Ck) mit j,k<i).


Eine Resolutionswiderlegung einer Klauselmenge Φ ist eine Resolutionsableitung der leeren Klausel aus Φ. Sie ist ein formaler Beweis dafür, dass die Klauselmenge Φ unerfüllbar ist.


Gegeben zwei Klauseln C1 und C2 und ein Literal L, für das gilt LC1 und L¯C2, ist die Resolvente die neue Klausel, die durch die Vereinigung der beiden Klauseln ohne das komplementäre Literalpaar entsteht:

Cres=(C1{L})(C2{L¯})

Eine Substitution ist eine partielle Abbildung S:AVarAL mit endlichem Definitionsbereich.
S ordnet also endlich vielen Variablen eine aussagenlogische Formel zu.

Beispiel: S:{V1,V2}AL definiert durch

  • S(V1):=V2
  • S(V2):=(V0V1)

Dieses Lemma besagt, dass Äquivalenz unter Substitution erhalten bleibt. Es ist die Grundlage für viele logische Umformungen.

Sei S eine Substitution und seien ϕ,ϕAL Formeln.
Dann gilt: $$ \phi \equiv \phi' \implies \phi S \equiv \phi'S $$


Syntaxbäume sind Bäume mit Wurzel, dessen Blätter mit den Atomen der Formel beschriftet sind und dessen innere Knoten mit den Verknüpfungen der Formel beschriftet sind. Für jede aussagenlogische Formel ist der zugehörige Syntaxbaum eindeutig.

Beispiel: Für ((XY)((¬Z)(¬Y))) ergibt sich der folgende Syntaxbaum: !handout1, p.12


Eine Formel φ ist allgemeingültig, wenn jede passende Belegung β die Formel erfüllt, d.h. βφ für alle β.

Charakterisierung

  • φ allgemeingültig ¬φ unerfüllbar.
  • Tritt auf als semantische Entsprechung zu „immer wahr“.

Beispiele

  • X¬X ist allgemeingültig (Gesetz des ausgeschlossenen Dritten).
  • (XY)X ist allgemeingültig.

Der Semantik liegt das Grundprinzip tertium non datur zugrunde: Eine Aussage ist entweder wahr oder falsch.


Die Menge sub(φ) der Unterformeln einer Formel φ ist die Menge aller Teilformeln von φ, die selbst wieder korrekte Formeln der Aussagenlogik sind.

Beispiel:
Für φ:=((XY)¬(X(YZ))) gilt:

sub(φ)={φ,(XY),¬(X(YZ)),(X(YZ)),(YZ),X,Y,Z}

Für jeden Knoten uV(G) und jede Farbe i{1,2,3} wird eine Variable Xu,i eingeführt.

  • Intention: Xu,i ist wahr, wenn Knoten u mit Farbe Ci gefärbt wird.

Für jede Position (Zeile i, Spalte j) und jede mögliche Zahl c{1,...,9} wird eine Variable Xi,jc eingeführt.

  • Xi,jc ist wahr, wenn an der Stelle (i,j) die Zahl c steht.

Die Vollständigkeit besagt, dass der Kalkül stark genug ist, um alle unerfüllbaren Klauselmengen zu erkennen. Jede unerfüllbare Klauselmenge C besitzt eine Resolutionswiderlegung (C ist unerfüllbar CR).

Lemma (Vollständigkeit im Endlichen)

Jede unerfüllbare endliche Klauselmenge C hat eine Resolutionswiderlegung.

Beweisskizze (wie auf den Folien)

  • Induktion über die Anzahl der Variablen.
  • Zerlege C nach einer Variablen Vn in:
  • C+ : Klauseln ohne Vn, aus C gewonnen durch Entfernen von ¬Vn.
  • C: Klauseln ohne ¬Vn, aus C gewonnen durch Entfernen von Vn.
  • Zeige: Sind beide erfüllbar, erhält man ein Modell für C (Widerspruch zur Unerfüllbarkeit).
  • Also sind C+ und C unerfüllbar; nach Induktionsvoraussetzung haben beide Resolutionswiderlegungen.
  • Kombiniere beide Widerlegungen plus einen letzten Resolutionsschritt zwischen {¬Vn} und {Vn} zu einer Widerlegung von C.


  • Die Menge var(φ) der Variablen einer Formel φ ist die Menge var(φ):=AVarsub(φ).
  • Eine Wahrheitsbelegung, oder kurz Belegung, ist eine partielle Funktion β:AVar{0,1}.
  • Eine Belegung β ist eine Belegung für eine Formel φ, oder ist passend für φ, wenn var(φ)def(β).

Per Induktion über die Struktur der Formeln in AL definieren wir eine Funktion [[]]β, die jeder Formel φAL und jeder zu φ passenden Belegung β einen Wahrheitswert [[φ]]β{0,1} zuordnet.

Belegung: β:AVar{0,1}
passend für φ: var(φ)def(β)

Induktionsbasis

  • [[]]β:=0
  • [[]]β:=1
  • Für alle XAVar: [[X]]β:=β(X)

Induktionsschritt (wie man größere Formeln aus kleineren berechnet):

  • [[¬φ]]β:=1[[φ]]β
  • [[(φψ)]]β:=min{[[φ]]β,[[ψ]]β}
  • [[(φψ)]]β:=max{[[φ]]β,[[ψ]]β}
  • [[(φψ)]]β:={1wenn [[φ]]β=0 oder [[ψ]]β=10sonst
  • [[(φψ)]]β=1[[φ]]β=[[ψ]]β

Zwei Formeln φ,ψ sind äquivalent (Notation: φψ), wenn für alle Belegungen β gilt:
βφβψ.

  • Reflexiv, symmetrisch, transitiv.
  • Erlaubt ersetzendes Umformen in Beweisen und bei Normalformen.