Euler-Touren

Sei G ein Graph. Eine Euler-Tour in G ist ein geschlossener Kantenzug, der jede Kante aus G genau einmal durchläuft.

Beispiele

Ein zusammenhängender Graph G hat genau dann eine Euler-Tour, wenn der Grad jedes Knotens gerade ist.

Beweis

  • Hinrichtung: Zeige: Wenn G eine Euler-Tour hat, dann hat jeder Knoten in G geraden Grad. Sei (v0,e1,v1,e2,...,em,vm=v0) eine Euler-Tour.
    • Definiere em+1=e1. Nach Definition einer Euler-Tour gilt eiej für alle 1ijm. Weiterhin kommt jede Kante genau einmal in {e1,...,em} vor.
    • Für uV(G) sei I(u):={i1im,vi=u}. Dann gilt: $${e \in E(G) \mid u \text{ ist inzident zu } e} = {e_i, e_{i+1} \mid i \in I(u)}$$
    • Da G keine Schleifen enthält und per Definition einer Euler-Tour eiej für alle 1ijm, gilt {ei,ei+1}{ej,ej+1}= für alle ijI(u). Also ist dG(u)=2|{iiI(u)}| und daher gerade.
  • Rückrichtung: Zeige: Wenn der Grad jedes Knotens in G gerade ist, dann hat G eine Euler-Tour.
    • Behauptung 1: G enthält einen geschlossenen Kantenzug, in dem keine Kante wiederholt wird.
      • Beweis: Wir konstruieren eine Folge C1,C2,... von Kantenzügen, in denen keine Kante wiederholt wird, wie folgt: Wähle e1={v0,v1}E(G) beliebig und definiere C1=(v0,e1,v1).
        • Sei Ci=(v0,e1,...,ei,vi) schon konstruiert.
        • Wenn vi zu einer noch nicht benutzten Kante e={vi,v} inzident ist, definiere Ci+1=(v0,e1,...,ei,vi,e,v).
        • Ansonsten hört die Konstruktion hier auf.
      • Da jeder Knoten geraden Grad hat, können wir Ci nur dann nicht erweitern, wenn vi=v0 ist und alle zu vi inzidenten Kanten schon durchlaufen wurden. Also ist Ci in diesem Fall ein geschlossener Kantenzug.
    • Konstruktion der Tour (Verfahren): Wir konstruieren eine Folge von geschlossenen Kantenzügen T1,... in denen keine Kante wiederholt wird wie folgt: Wähle einen geschlossenen Kantenzug T1 ohne Wiederholung einer Kante beliebig. Dies geht nach Behauptung 1.
      • Sei nun Ti=(v0,e1,...,vj,ej+1,vj+1,...,el,vl=v0) schon konstruiert.
        • Wenn Ti alle Kanten aus G enthält, ist Ti eine Euler-Tour.
        • Ansonsten gibt es einen Knoten vj (für ein 1jl) und eine Kante f1={vj,u1}E(G), so dass f1es für alle 1sl.
      • Wie im Beweis von Behauptung 1 konstruieren wir einen geschlossenen Kantenzug C=(vj,f1,u1,...,fk,vk=vj), in dem keine Kante wiederholt wird und der keine Kante aus Ti benutzt. Dies geht, da in G{e1,...,el} jeder Knoten geraden Grad hat.
    • Definiere Ti+1=(v0,e1,...,vj,f1,u1,...,fk,vk=vj,ej+1,...,el,vl=v0). Da G endlich ist, terminiert das Verfahren irgendwann mit einer Euler-Tour Ti.

### Alternative Art, den Beweis der Rückrichtung aufzuschreiben (Kantenmaximalität):

Nach Behauptung 1 enthält G einen geschlossenen Kantenzug, in dem keine Kante wiederholt wird. Sei T ein solcher Kantenzug mit einer maximalen Anzahl an Kanten.

Behauptung: T ist eine Euler-Tour.

Beweis: Sei F die Menge der Kanten, die in T vorkommen. Wenn FE(G), dann gibt es einen Knoten vj in T, der zu einer Kante eE(G)F inzident ist. Dies gilt, da G zusammenhängend ist. Nach Behauptung 1 gibt es in GF einen geschlossenen Kantenzug C, der vj und e enthält und keine Kante wiederholt. Dann können wir T durch C erweitern, im Widerspruch dazu, dass T kantenmaximal gewählt wurde.